Dieses Handelsblatt-MARKTGESPRÄCH MIT KARSTEN STROH, JP MORGAN ASSET MANAGEMENT möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:

„Jetzt noch einsteigen? Karsten Stroh von JP Morgan Asset Management erklärt, warum er fest von steigenden Börsenkursen ausgeht — und warum er keine Angst vor der Euro-Krise hat.

Der Dax hat eine lange Rally hinter sich. Seit vier Jahren geht es fast ununterbrochen aufwärts, mal abgesehen von dem Knick im Sommer 2011. So langsam nähert sich der Index wieder der 8000-Punkte-Marke. Mit jedem Punkt, den der Dax zulegt, scheint auch die Zahl der Analysten zu steigen, die zum Einstieg rät.

Die Argumente der Experten klingen so: „Es gibt einen klaren Anreiz, in höher rentierliche Anlagen wie Aktien zu investieren“, sagt Karsten Stroh, Experte für europäische Aktien bei JP Morgan Asset Management in London. „Denn langsam spricht sich herum, dass man mit Cash oder niedrig verzinsten Anlagen real Geld verliert. Die Realzinsen werden noch lange negativ bleiben.“

Übersetzt heißt das: Aktien sind deshalb attraktiv, weil alles andere noch schlechter ist. Das mag durchaus sein. Aber heißt das, dass Aktien deshalb zwangsläufig weiter zulegen? Stroh geht fest davon aus. Wenn mehr Investoren in Aktien investierten, werde das die Kurse treiben. Anhaltspunkte für diesen Trend will der Experte schon gefunden haben. „Es gibt erste Anzeichen, dass Geld von Anleihen in Aktien fließt. Noch wichtiger ist, dass Anleger ihre Cash-Bestände auflösen und mehr in Aktien investieren.“

Bleibt die Frage, ob nicht zu viel Geld in Aktien strömt, ob die Unternehmen nicht schon zu hoch bewertet sind. In dem Fall müsste man von einer Blase sprechen. Stroh gibt Entwarnung: „Aktien sind nach wie vor nicht zu hoch bewertet. Natürlich muss man da differenzieren. Aber gerade in Europa gibt es noch viele attraktive Aktien.“

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gibt einen Hinweis darauf, ob ein Unternehmen an der Börse im Verhältnis zum Gewinn günstig oder teuer bewertet ist. Ein niedriger Wert ist in dem Fall besser. Seit es den Dax gibt, sind die Aktien in dem Index mit einem KGV von etwa 14 bewertet, also dem 14-Fachen eines Jahresgewinns. So gesehen sehen Aktien aktuell nicht zu teuer aus. „Mit einem KGV von rund zwölf sind Dax-Aktien günstig und liegen damit unter ihrem langfristigen Durchschnittspreis“, sagt Stroh.

Aber was passiert, wenn die Euro-Krise wieder zuschlägt? Sollte sich die Lage in Italien oder Spanien erneut zuspitzen, könnte das die Aktienmärkte nach unten ziehen. Auch darauf hat Stroh eine Antwort: „Die Unternehmen erwirtschaften schon heute rund die Hälfte ihrer Umsätze außerhalb Europas. Vor allem die Bedeutung der Wachstumsregionen der Welt, der Emerging Markets hat zugenommen.“ Er meint damit, die Euro-Krise sei in erster Linie ein Problem der Staaten, nicht der Unternehmen.

Stroh zählt eindeutig zu den Optimisten – womit er sich in der Minderheit sieht. „Ich sehe keine Übertreibung oder zu große Euphorie. Im Gegenteil. Diese Rally ist die unbeliebteste der vergangenen drei Jahrzehnte.“

(Jörg Hackhausen, Handelsblatt 5.4.20139