Wieder wird EZB-Chef Mario Draghi dabei zur Schicksalsfigur. Es waren nicht die Brüsseler Rettungspakete und Rettungsschirme, die die Krise entschärften. Sondern seine Worte: „Wir werden alles tun, um den Euro als stabile Währung zu erhalten und glauben Sie mir, es wird genug sein“, sagte er im Juli 2012, als Spaniens Banken strauchelten, Madrid mit Milliarden gerettet wurde, die Eurozone zu zerbrechen drohte. Niemand zweifelt seitdem mehr daran, dass die EZB notfalls massiv Staatsanleihen kaufen wird, um den großen Crash zu verhindern.

Draghis neuste Offensive dürfte Jahre dauern, denn der Kampf mit den Märkten ist noch lange nicht vorbei. Negative Zinsen werden keine kurzfristige Ausnahme bleiben, sondern für Jahre der Normalfall. Die Mega-Geldspritzen, die die EZB den Banken verabreichte, hatten eine Laufzeit von drei Jahren. In den USA liegen die Zinsen schon seit fünfeinhalb Jahren faktisch bei Null. Erst jetzt fährt die US-Notenbank ihre Anleihekäufe langsam zurück. Eine Zinserhöhung liegt immer noch in weiter Ferne.

Die EZB geht selbst davon aus, dass in Europa die Preise erst 2016 wieder so stark steigen werden, dass ein Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes auch nur theoretisch möglich wäre. Die Währungshüter müssen auf Dauer ihren Kurs halten. Sie haben den Banken einfach zu viele Hoffnungen gemacht.

Die Rechnung zahlen die Anleger, die für ihr Geld kaum noch etwas bekommen, wenn sie es zur Bank tragen. Die EZB weiß das, nimmt es aber als kleineres Übel in Kauf: „Ich habe sehr viel Verständnis für die Nöte der Sparer, mein Geld liegt auch auf der Bank“, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet in der vergangenen Woche. „Wir müssen diese Krise aber jetzt hinter uns bringen“.

Quelle: n-tv.de