Bisher konnten sich auch bei den größten Krisen die Finanzmärkte blind darauf verlassen, dass die US-Notenbank die Dinge wieder gerade rückt. Umso mehr wundert man sich, dass die Fed mit ihren aktuell unkonkreten Aussagen über das Ob und Wie einer zukünftigen Liquiditätsminderzuführung den Hausfrieden der Finanzmärkte beeinträchtigt. Das jüngste Sitzungsprotokoll der US-Notenbank einem vor wie eine alte Kaufhauswerbung:  Die Fed bietet tausendfach, alles unter einem Dach. Jede geldpolitische Taube, jeder Falke findet genügend Anhaltspunkte für seine Interpretation.

Lt. Robert Halver von der Baader Bank AG, “ werden die Finanzmarktteilnehmer damit gleich zweimal auf dem falschen Fuß erwischt. Beim Tapering tapern sie ohnehin im Dunkeln, weil es für eine wie auch immer geartete Normalisierung der aktuellen Liquiditätsschwemme keine historisch verlässlichen Blaupausen gibt. So etwas gab es einfach noch nie. Und wenn diese Fed auch noch wie in einer Quasselbude verbal rumeiert, keinen Klartext redet, befinden sich die Anleger erst Recht im Blindflug.“

Und dann reagieren zunächst die Rentenmärkte wie das Wild bei Witterung des Jägers: Mit Flucht. Das tun die Anleger noch nicht einmal aus fundamentaler Überzeugung, zumal man – angesichts einer grundsätzlich regelbefreiten Geldpolitik – ohnehin nicht weiß, ob Anlage fair bewertet sind. Nein, man verkauft, weil alle anderen auch verkaufen, aus lauter Angst vor weiteren Vermögensverlusten. Das CATE-Börsenthermometer zeigt dies heute ganz deutlich.

Da die USA die weltweiten Finanzmärkte nicht so recht im Griff  zu haben scheinen, wüten die seit Anfang Mai rasant angestiegenen Renditen von US-Anleihen auch in den fundamental immer noch starken Emerging Markets.  Robert Halver: „Dort wird Geld aus den Anleihemärkten abgezogen, als stünden wir wie 1997 kurz vor einer zweiten Asien-Krise. In China jubelt kaum noch ein Anleger freiwillig. Aber jetzt ist Schluss mit lustig, ansonsten droht mit diesem Fed-selbstverschuldeten Tapering-Gerede – obwohl noch kein einziger Cent Liquiditätszurückhaltung in den USA stattgefunden hat – weitaus schlimmeres Zins-Ungemach, dass dann auch die Weltwirtschaft und natürlich die internationalen Aktienmärkte in ihren Grundfesten erschüttern könnte.

Ich bin mir aber sicher – sagt Halver -, dass jeder US-Notenbanker bis drei zählen kann und weiß, dass unsere völlig überschuldeten Finanzsysteme einen Zinskollaps genauso wenig vertragen können wie der Dachstuhl Holzwürmer. Ben Bernankes grundsätzliches Ansinnen war es lediglich, mit seinem Tapering einen erneuten geldpolitischen Turmbau zu Babel – Dotcom, Immobilienblase – zu verhindern, der irgendwann wieder einstürzt und von der Finanzwelt nur noch Staub und Asche übrig lässt.

Damit sich die Renten- und Aktienmärkte nicht mehr unberechenbar wie Pubertierende benehmen, brauchen sie eine klare Ansage. Es bringt wenig, jetzt den Beginn des Taperings noch einmal aufzuschieben. Es mag die Finanzmärkte kurzfristig erfreuen wie eine Klassenarbeit in Mathematik, die wegen des Ausfalls der Schulheizung zwar heute nicht geschrieben werden kann. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Sie wird natürlich nachgeholt. Und das Tapering wird kommen. Aus dieser Nummer kommt Ben Bernanke nicht mehr heraus.

Es muss endlich zum Showdown kommen. Beim dann tatsächlich einsetzenden Tapering weicht die Angst vor dem vermeintlichen Schock endlich der Beruhigung des Tatsächlichen. Und sehr schnell werden die Anleger feststellen, dass das Tapering nicht ansatzweise zur Dehydrierung der Finanzmärkte führt, sondern dass wir uns immer noch im geldpolitischen Regenwald befinden und auch weiter befinden werden.

Von daher warte ich in diesem Jahr – zumindest aus Anlegersicht – sehnsüchtig auf das Ende des Sommers, konkret auf den 18. September, wenn Bernanke hoffentlich sagt, wann und wie das Tapering kommt. Ist erst dieser Stein aus dem Weg geräumt, werden sich die Zinsen wieder südwärts stabilisieren und die weltweiten Aktienmärkte einen schönen Herbst 2013 erleben. Nach der Bundestagswahl steuert der DAX seinen Jahresendstand von 8.800 Punkten an.“

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