Die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kommt in einer aktuellen Umfrage zu einem anderen Ergebnis. Die Anleger treffen ihre Entscheidungen wohl überlegt. Meist haben sie dabei Erfolg. Bankberater spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz wollte dieses Jahr wissen, wie wertpapieraffine Privatanleger ihre Entscheidungen treffen, welche Informationsquellen sie nutzen und ob Bankberater dabei eine Rolle spielen oder nicht. Die FOM Hochschule aus Essen hat dazu 581 Fragebögen ausgewertet.

Bemerkenswert das Ergebnis, dass die große Mehrheit der Anleger (96,3 Prozent) ihre Entscheidungen selbst treffen. „Will der Anleger heute aus dem gesamten Universum der Anlagemöglichkeiten schöpfen, ist er auf sich allein gestellt“, sagt Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer.

Mangelnde Qualität der Bankberatung

Nur ein Fünftel vertraut auf den Bankberater (22,5 Prozent), die wenigsten auf einen Vermögensverwalter (7,6 Prozent). Kein Wunder: laut der Studie sind die Erfahrungen der Privatanleger mit den Beratern nur selten gut (19,2 Prozent). Fast die Hälfte (44,2 Prozent) bezeichnet sie als schlecht. Im vergangenen Jahr war der Anteil der Enttäuschten sogar noch größer. Tüngler erkennt eine „mangelnde Qualität der Bankberatung“ und ergänzt: „Zu häufig werden die Weichen in Richtung Festgelder, Tagesgelder oder Versicherungen gestellt. Damit wird aktiv dafür gesorgt, dass das Gros der Privatanleger real Kapital vernichtet.“ Konsequenzen ziehen allerdings die wenigsten Kunden. Nicht einmal ein Fünftel (18,8 Prozent) hat den Berater gewechselt.

Anleger sind erfahren

Nicht die Jungen managen aktiv ihre Geldanlage. Die allermeisten haben große Erfahrung mit Aktienanlagen (80 Prozent mehr als zehn Jahre). Fast genauso viele geben an, dass sie ihre Aktienbeteiligungen im Schnitt mehrere Jahre halten (77,2 Prozent). Gerade einmal ein knappes Prozent steigt bereits nach einem Monat aus oder um. „Das widerlegt deutlich die Mär vom Spekulanten, der nur am schnellen Geld interessiert ist und unverantwortlich handelt“, sagt DSW-Chef Tüngler. Ihre Informationen besorgen sich die meisten Anleger über die Presse, Geschäftsberichte und knapp die Hälfte auch über Anlegerportale wie boerse.ARD.de.

Spitzenreiter sind Aktien und Aktienfonds

Spitzenreiter in der Gunst der Anleger sind Aktien (96,7 Prozent) und Aktienfonds (54,9 Prozent). Der Anteil der Aktien in den Portfolios ist im Vergleich zu 2012 leicht gestiegen, genauso der Anteil der alternativen Investments und Zertifikate. Weniger gefragt waren dagegen Aktienfonds, Anleihen und Gold-ETFs.

Die meisten hatten Erfolg

Mit ihrer Strategie, die Anlageentscheidungen überwiegend selbst zu treffen, hatten die meisten Befragten Erfolg. Fast die Hälfte (47,4 Prozent) verbuchte ein Anlageplus von mehr als zehn Prozent, ein gutes Drittel erzielte eine Steigerung zwischen fünf und zehn Prozent. Herbe Verluste ihrer Geldanlage von mehr als zehn Prozent mussten fünf Prozent der Befragten hinnehmen. Insgesamt lagen die Anlageergebnisse damit klar über denen des Vorjahres. Keine Überraschung, nachdem Dax & Co. im vergangenen Jahr so stark zugelegt hatten.