Aktionäre können durchaus zufrieden auf das abgelaufene Jahr zurückblicken. Auch für 2016 rechnen die meisten Analysten mit steigenden Notierungen.

Über 9 Prozent hat der DAX 2015 zugelegt, der Euro Stoxx 50 gut 4 Prozent, nur der US-Markt hat sich, gemessen am S&P 500, kaum bewegt.  In Europa war das Jahr ein gutes Aktienjahr. Die hiesigen Anleger, die in den USA aktiv sind, profitierten vom US-Dollar-Anstieg und kamen somit ebenfalls auf ihre Kosten. Besonders viel Bewegung gab es bei den Wechselkursen, vor einem ¬-Jahr mussten für einen Euro noch 1,22 US-Dollar gezahlt werden, im März waren es zwischenzeitlich weniger als 1,05, aktuell sind es 1,09 US-Dollar.

Rohstoffe haben sich unterdessen weiter verbilligt, der Rohstoffindex S&P GSCI ist um rund ein Drittel gefallen. Ein Barrel Öl der Sorte Brent kostete vor einem Jahr noch 57 US-Dollar, jetzt sind es nur noch 37 US-Dollar. Auch die Notierungen für Gold stehen niedriger, von 1.183 auf 1.069 US-Dollar je Unze.

Für 2016 rechnen die meisten Analysten mit weiter steigenden Aktienkursen in Europa, bezüglich der USA ist die Skepsis angesichts der angehobenen Leitzinsen größer. In den USA werden weiter anziehende Zinsen erwartet, für die Eurozone meist anhaltend niedrige Zinsen.

Dass der Euro gegenüber dem US-Dollar schwach bleiben wird, ist mehr oder weniger Konsens, ob tatsächlich die Parität, also ein 1 zu 1 Verhältnis, erreicht oder sogar unterschritten wird, ist allerdings umstritten. Kritisch bleiben die meisten Analysten gegenüber Rohstoffen und Schwellenländern.

Was bringt 2016?

„2016 wird sich für Investoren einiges ändern“, bemerkt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, mit Blick auf die höheren US-Leitzinsen. „Die Rohstoffpreise dürften nach ihrer mehrjährigen Talfahrt zumindest einen Boden finden.“ Vieles werde einem 2016 allerdings auch bekannt vorkommen: Die Konjunktur in den USA laufe, während im Euroraum der Knoten wohl erneut nicht platzen werde. „Deshalb dürfte die EZB ihre Geldpolitik im Zweifel weiter lockern, was wiederum den Euro belasten und den Aktien Rückenwind geben werde. „Das größte Risiko bleiben die Emerging Markets.“
Im Gegensatz zu 2015 werde die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen 2016 keine neuen Tiefs markieren, sondern unter deutlichen Schwankungen moderat steigen.
Das DAX-Ziel für Ende nächsten Jahres liegt bei 12.600 Punkten. „Im Jahresverlauf dürfte der DAX natürlich immer wieder absacken – etwa wegen Sorgen um China.“
Der Euro/US-Dollar-Wechselkurs werde sich voraussichtlich in Richtung Parität bewegen – wegen der klar divergierenden Geldpolitik in den USA und im Euroraum.

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 30. Dezember 2015